Lars Reiffers – Malerei, Wahrnehmung und Präsenz

Künstler sitzt vor einem großen Gemälde mit einer Uhr, weißen Blumen und dunklem Hintergrund, in einem Atelier mit Malutensilien auf einem Tisch und einem Stativ.

ÜBER LARS REIFFERS

Lars Reiffers

Malerei, Wahrnehmung und Präsenz

Lars Reiffers ist ein zeitgenössischer deutscher Maler, dessen Arbeit sich mit Wahrnehmung, Präsenz und den materiellen Möglichkeiten der Malerei beschäftigt.

1978 in Engelskirchen geboren, studierte er zunächst Freie Kunst an der Université d’Aix-en-Provence und setzte sein Studium anschließend an der Kunstakademie Münster fort. 2002 wurde er Meisterschüler von Hermann-Josef Kuhna. 2003 schloss er das Studium der Freien Kunst mit dem Akademiebrief ab.

Reiffers arbeitet vorwiegend mit Öl auf Leinwand.

Seine künstlerische Praxis entwickelt sich in vier fortlaufenden Werkgruppen: Spaces, Flowers, Fish und Landscapes.

So unterschiedlich die Motive erscheinen, verbinden die Gemälde wiederkehrende Fragen:

Wie nehmen wir einen Gegenstand oder Raum wahr?

Was gibt einem Bild Präsenz?

Wie verändert Licht eine Oberfläche?

Wo endet Darstellung und wo beginnt Malerei?

Fotografie ist häufig Teil des Arbeitsprozesses. Sie dient dazu, visuelle Situationen zu sammeln, auszuwählen und zu isolieren – nicht dazu, ein fotografisches Bild möglichst exakt zu kopieren.

Während des Malens verändert sich das ursprüngliche Motiv.

Farbverhältnisse verschieben sich.

Details verschwinden oder werden verstärkt.

Oberflächen beginnen sich zu verselbstständigen.

Räumliche Tiefe kann sich in Fläche und Struktur verwandeln.

Das fertige Gemälde entsteht so zwischen Beobachtung und malerischer Konstruktion.

Tradition als Werkzeug, nicht als Stil

Stillleben, Landschaft und Interieur verbinden die Arbeit von Lars Reiffers mit langen Traditionen der europäischen Malerei.

Diese Traditionen werden jedoch nicht nostalgisch verstanden.

Historische Gattungen dienen vielmehr als Strukturen, innerhalb derer sich gegenwärtige Erfahrungen des Sehens untersuchen lassen.

Ein Blumenstillleben, ein Fisch, eine Landschaft oder ein Museumsraum sind deshalb nicht nur Motive.

Sie werden zu Ausgangspunkten für Fragen nach Aufmerksamkeit, Zeit, Erinnerung und der Beziehung zwischen Bild und Betrachter.

In einer Gegenwart, die zunehmend von schnell produzierten und konsumierten Bildern geprägt ist, setzt die Ölmalerei ein anderes Verhältnis zur Zeit dagegen:

Langsamkeit, körperliches Material und anhaltende Aufmerksamkeit.

Die vier Werkgruppen

Spaces

Raum · Erinnerung · Resonanz

Seit 2016 malt Lars Reiffers Museen, Paläste und historische Innenräume.

Die Bilder untersuchen das Verhältnis zwischen Kunstwerk, Betrachter, Architektur und Erinnerung.

Der Museumsraum wird dabei nicht einfach als Architektur dargestellt.

Er wird zu einem Raum des Sehens.

Flowers

Schönheit · Präsenz · Zeit

Blumen gehören zu den traditionsreichsten Motiven der Malerei.

In den Gemälden von Lars Reiffers erscheinen sie jedoch nicht nur als klassische Stillleben.

Blüten, Blätter, Licht und Farbe werden zu einer Untersuchung von Präsenz und Veränderung.

Die Schönheit der Blume ist dabei untrennbar mit ihrer zeitlichen Begrenztheit verbunden.

Fish

Körper · Oberfläche · Licht

Fische gehören seit den Anfängen der künstlerischen Arbeit von Lars Reiffers zu seinen wiederkehrenden Motiven.

Schuppen, Haut, Feuchtigkeit und reflektiertes Licht verwandeln den Körper in ein Feld zwischen Gegenständlichkeit und malerischer Oberfläche.

Je genauer der Gegenstand betrachtet wird, desto stärker beginnt er sich in Farbe und Struktur aufzulösen.

Landscapes

Licht · Atmosphäre · Wahrnehmung

In den Landschaften steht weniger die Beschreibung eines bestimmten Ortes im Mittelpunkt als die Erfahrung von Licht, Entfernung, Wasser und Atmosphäre.

Spiegelungen, Horizonte und wechselnde Lichtverhältnisse machen Landschaft als etwas Veränderliches und Vorübergehendes sichtbar.

Künstlerstatement

Meine Bilder beginnen mit Dingen, die ich sehe.

Museumsräume, Blumen, Fische und Landschaften sind konkrete Gegenstände. Diese Verbindung zur sichtbaren Welt ist für meine Arbeit wichtig.

Gleichzeitig interessiert mich nicht, das Vorhandene einfach zu reproduzieren.

Während des Malens beginnt sich das Motiv zu verändern.

Eine Spiegelung wird zu Farbe.

Ein Schatten wird zu Oberfläche.

Ein Detail verschwindet.

Etwas, das zunächst unwichtig erschien, wird plötzlich zum Zentrum.

In diesem Moment beginnt das Gemälde, eine eigene Realität zu entwickeln.

Fotografie ist häufig Teil meines Arbeitsprozesses. Sie ermöglicht mir, Bilder zu sammeln, Perspektiven zu verändern und einzelne Momente zu isolieren.

Aber Malerei ist sehr viel langsamer als Fotografie.

Ölfarbe besitzt Gewicht, Transparenz und Widerstand.

Jede Schicht verändert die vorherige.

Mich interessiert genau dieser Unterschied.

Malerei nimmt ein Bild, das vielleicht nur für einen Bruchteil einer Sekunde existiert hat, und gibt ihm körperliche Dauer.

Viele meiner Motive sind mit instabilen Formen von Präsenz verbunden.

Blumen verblühen.

Fische sind dem Wasser entnommen.

Spiegelungen verschwinden unmittelbar.

Museumsräume bewahren Gegenstände, Bilder und Geschichten aus Zeiten, die nicht mehr gegenwärtig sind.

Vielleicht kehre ich deshalb immer wieder zu diesen Motiven zurück.

Malerei kann Zeit nicht anhalten.

Aber sie kann eine andere Form von Präsenz erzeugen.

Stimmen zur Arbeit

„Malerei ist, vor allen Inhalten, zuerst Malerei und nur Malerei.“

Prof. Dr. Manfred Schneckenburger

Kurzbiografie

Lars Reiffers, geboren 1978 in Engelskirchen, ist ein deutscher zeitgenössischer Maler.

Er studierte Freie Kunst in Aix-en-Provence und an der Kunstakademie Münster, wo er Meisterschüler von Hermann-Josef Kuhna wurde.

Seine Arbeit gliedert sich in die fortlaufenden Werkgruppen Spaces, Flowers, Fish und Landscapes.

Im Zentrum stehen Fragen nach Wahrnehmung, Licht, Oberfläche, Erinnerung und Präsenz.

Lars Reiffers lebt und arbeitet in Nümbrecht bei Köln.

Biografische Daten

1978
geboren in Engelskirchen

1998–1999
Studium Freie Kunst, Université d’Aix-en-Provence

1999–2003
Studium Freie Kunst, Kunstakademie Münster

2002
Meisterschüler von Hermann-Josef Kuhna

2003
Akademiebrief Freie Kunst

seit 2005
freischaffender Künstler

lebt und arbeitet
in Nümbrecht bei Köln

Auszeichnungen

2001
Europa-Stipendium der Kunstakademie Münster

2001
Lucas-Cranach-Preis, Sonderpreis

Ausgewählte Ausstellungen

(E= Einzelausstellung G=Gruppenausstellung)

2001

Galerie Kunstgedöns Otte&Co. Köln (E)

„Lucas Cranach Award“ Fränkische Galerie des Bayerischen

Nationalmuseums, Kronach (G)

2003

Maison de Heidelberg, Centre Culturel Allemand, Montpellier (E)

„Hommage to Lucas Cranach“ Fränkische Galerie des Bayerischen

Nationalmuseums, Kronach (G)

2004

WGZ-Bank „Klasse Kuhna“, Düsseldorf (G)

Galerie Horrach Moya and Art Forum, Palma de Mallorca (G)

Dolmabahce Serail, Museum for Painting and Sculpture, Istanbul (G)

2005

Galerie Art Forum, Palma de Mallorca (E)

Zandari Gallery, Seoul (G)

KölnKunst7 , Colonius Carré, Köln (G)

2006

Kunstverein Oberhausen (E)

Zandari Gallery, Seoul (G)

Gallery Space IEUM, Peking (G)

Städtische Galerie im Park, Viersen (G)

2007

Kunsttachometer Theofilos Klonaris, Palma de Mallorca (E)

Galerie Schöber, Dortmund (E)

Kunstverein Achim (E)

2008

Kunsttachometer Theofilos Klonaris, Berlin (E)

Zeche Zollverein Essen (G)

Galerie Schöber, Dortmund (G)

2009

Oberfinanzdirektion Münster (E)

Kulturhof Westerbeck, Osnabrück (E)

Kunsttachometer Theofilos Klonaris, Palma de Mallorca (E)

2010

Galerie Hoffmann, Rheda-Wiedenbrück (E)

Galerie Cerny&Partner, Wiesbaden (G)

Driesch:Klonaris Gallery, Palma de Mallorca (G)

Artspace K5, Köln (G)

2011

Klonaris Fine Art, Palma de Mallorca (E)

Galerie Hoffmann, Rheda Wiedenbrück (G)

Messmer Foundation, Riegel am Kaiserstuhl (G)

Galerie Cerny und Partner, Wiesbaden (G)

2012

Burg Lüdinghausen, Kaktus Kulturforum (E)

Galerie Cerny und Partner, Wiesbaden (E)

Galerie Michael Nolte, Münster (G)

Klonaris Fine Art, Palma de Mallorca (G)

2013

IHK Bielefeld (E)

Galerie Cerny und Partner, Wiesbaden (G)

Galerie Hovestadt, Nottuln (G)

"Das vierte Element" Wasserburg Haus Graven, Langenfeld (G)

Galerie Klaus Siepmann, Düsseldorf (G)

2014

Galerie Gabriele Hovestadt, Nottuln (E)

Le Coeur, Cologne (E)

Galerie Cerny und Partner, Wiesbaden (G)

Klonaris Fine Art, Palma de Mallorca (G)

Galerie Hovestadt, Nottuln (G)

2015

Galerie Hoffmann Rheda-Wiedernbrück (G)

Galerie Cerny und Partner Wiesbaden (G)

Klonaris Fine Art, Palma de Mallorca (G)

2016

Galerie Schöber Art-isotope, Dortmund (E)

Celeste PRIZE 2016 The Bargehouse OXO London (G)

2017

Kunstpreis Sparkasse Karlsruhe (G)

Kö meets Art Düsseldorf (G)

Young Masters Art Prize, London (G)

2018

Galerie Cerny und Partner, Wiesbaden (E)

Rebecca Hossack Gallery, London (G)

Galerie Cerny und Partner, Wiesbaden (G)

Städtische Galerie Villa Streccius, Landau/Pfalz (G)

2019

Galerie Hovestadt, Nottuln (E)

Klonaris Fine Art, Palma de Mallorca (E)

Kunstverein Nümbrecht (E)

2020

Galerie Schöber, Wertheim (G)

Galerie Nolte, Münster (G)

Galerie Hovestadt, Notuln (G)

2021

Kunst im Schloss, Untergröningen (G)

Kunstverein Achim (G)

Haus Graven e.V. Langenfeld (G)

CUBUS Kunsthalle, Duisburg (G)

Bergwerk Halle Reden, Schiffweiler (G)

Galerie Simon Nolte, Palma de Mallorca (E)

Galerie Gabriele Hovestadt, Nottuln (G)

Galerie Art in Salotto, Miland (G)

Galerie Paola Forni, Bologna (G)

2022

Christian Marx Galerie, Düsseldorf (G)

Galerie Art-Isotope, Fröndenberg (E)

Galerie Gabriele Hovestadt, Nottuln (G)

2023

Christian Marx Galerie, Düsseldorf (G)

Galerie Art-isotope, Fröndenberg (G)

2024

Christian Marx Galerie, Düsseldorf (E)

Stadtmuseum Beckum (E)

Galerie Gabriele Hovestadt, Nottuln (E)

Rebecca Hossack Gallery, Miami (G)

2025

Kunstsammlung des Oberbergischen Kreises, Schloss Homburg, Nümbrecht (G)

HLB Schumacher, Münster (E)

Kunstverein Nümbrecht (G)

Galerie Gabriele Hovestadt, Nottuln (G)

2026

Kunstpreis Sparkasse Karlsruhe (G)

Christian Marx Galerie, Düsseldorf (G)

Galerie Gabriele Hovestadt, Nottuln (G)

Neues Archiv Burg Wertheim, Galerie Art-isotope, Wertheim (E)

Kunstkabinett Hespert (E)

→ Vollständiger CV

Publikationen

Ausgewählte Publikationen

MALEREI / PAINTINGS 1999–2020
Monografie, Verlag Kettler, 2020

Mit Texten von Anne Simone Kiesiel und Dr. Gabriele Hovestadt.

Weitere Publikationen und Kataloge dokumentieren die Entwicklung der Malerei seit Beginn der 2000er-Jahre.

→ Publikationen ansehen

Atelier

Lars Reiffers lebt und arbeitet in Nümbrecht bei Köln.

Sein Atelier befindet sich in einer ehemaligen Dorfschule, der heutigen Atelier Alte Schule.

Der historische Ort dient als Arbeitsraum, Archiv und Präsentationsraum.

Gemälde aus verschiedenen Werkphasen stehen dort neben aktuellen Arbeiten und bleiben so miteinander im Dialog.

→ Mehr zum Atelier

„Malerei ist, vor allen Inhalten, zuerst Malerei und nur Malerei.“

Prof. Dr. Manfred Schneckenburger (Kurator Documenta 6 & 8)

Serien / Werkgruppen

Spaces

Museum, Wahrnehmung, Gegenwart

Mit der Serie Spaces entwickelt Lars Reiffers einen komplexen Bildraum, in dem Wahrnehmung, Geschichte und Gegenwart miteinander verschränkt werden. Im Zentrum stehen Museumsinterieurs als kulturell aufgeladene Räume.

Flowers & Stills

Präsenz, Zeit, Wahrnehmung

Die Serie Flowers führt das klassische Stillleben in eine zeitgenössische, körperlich erfahrbare Bildsprache über. Blumen und andere Motive erscheinen hier nicht als dekorative Motive, sondern als physisch präsente Bildkörper.

Fish - Struktur & Vergänglichkeit

Oberfläche, Licht, Malerei

Die Serie Fish gehört zu den zentralen Werkgruppen von Lars Reiffers. Seit den späten 1990er Jahren kehrt der Künstler kontinuierlich zu diesem Motiv der Fischgemälde zurück – nicht als thematische Wiederholung, sondern als grundlegende Untersuchung der Malerei selbst, welche oftmals in die Tiefen der Abstraktion führt.

Landscapes

Licht, Fläche, Bewegung

In der Serie Landscapes untersucht Lars Reiffers die Landschaft als Raum von Licht, Bewegung und Wahrnehmung. Ausgangspunkt sind fotografische Beobachtungen, die im Atelier transformiert und neu komponiert werden. Seine Reise führt von Meeresbildern, Gebirgen, tropischen Wäldern bis zu den Gärten des Schloss Versailles

Die Bilder beginnen in der sichtbaren Welt und verändern sich im Prozess des Malens. Farbe, Licht und Oberfläche entwickeln eine eigene Präsenz. Aus vertrauten Motiven entstehen Bilder, die den Blick verlangsamen und offenhalten.

Unterwasseransicht mit Wasser, Steinen und Felsen.

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