Lars Reiffers – Biografie, Werkserien, Ausstellungen und Publikationen
Lars Reiffers
Lars Reiffers ist ein deutscher zeitgenössischer Maler. Er wurde 1978 in Engelskirchen geboren und lebt und arbeitet in Nümbrecht bei Köln. Seine Malerei entsteht vorwiegend in Öl auf Leinwand und beschäftigt sich mit Wahrnehmung, Licht, Oberfläche und Präsenz.
Im Zentrum seines Werks stehen die fortlaufenden Werkgruppen Spaces, Flowers, Fish und Landscapes.
Reiffers nutzt historische Gattungen wie Stillleben, Landschaft und Interieur nicht als festgelegte Stile, sondern als Strukturen für gegenwärtige Fragen nach Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Zeit und Bildern.
Seine Gemälde beginnen in der sichtbaren Welt. Im Prozess des Malens verändern sich die Motive jedoch zunehmend. Farbverhältnisse verschieben sich, Details verschwinden oder werden verstärkt, Spiegelungen unterbrechen Oberflächen und räumliche Tiefe kann sich in Fläche und Struktur verwandeln.
Das fertige Bild entsteht zwischen genauer Beobachtung und malerischer Konstruktion.
Künstlerische Position
Die Malerei von Lars Reiffers untersucht das Verhältnis zwischen Gegenstand, Wahrnehmung und Bild.
Die Motive bleiben erkennbar, werden jedoch nicht als bloße Abbilder der sichtbaren Welt verstanden. Entscheidend ist vielmehr die Frage, was während des Malens mit einem Gegenstand geschieht.
Eine Spiegelung wird zu Farbe.
Ein Schatten wird zu Oberfläche.
Ein Detail kann verschwinden, während ein zunächst nebensächlicher Bereich zum Zentrum des Bildes wird.
Fotografie ist häufig Teil dieses Arbeitsprozesses. Sie dient dazu, visuelle Situationen zu sammeln, Perspektiven auszuwählen und einzelne Momente festzuhalten. Das Gemälde versucht jedoch nicht, das fotografische Ausgangsbild möglichst genau zu reproduzieren.
Ölmalerei folgt einer anderen Zeitlichkeit. Sie entsteht in Schichten, Entscheidungen bleiben sichtbar oder werden übermalt, und die Oberfläche entwickelt ihre eigene materielle Präsenz.
In einer zunehmend beschleunigten Bilderwelt eröffnet Malerei damit eine andere Form der Wahrnehmung: körperlich, langsam und offen.
Eine zentrale Frage verbindet die unterschiedlichen Werkgruppen:
Wie kann Malerei etwas gegenwärtig werden lassen?
Werkserien
Spaces – Museumsräume, Wahrnehmung und Erinnerung
Seit 2016 malt Lars Reiffers Museen, Paläste und historische Innenräume.
Ausgangspunkte sind unter anderem Versailles, der Louvre und die National Gallery.
Museen sind Orte des Sehens. Kunstwerke werden präsentiert, Besucher bewegen sich durch historische Räume und Bilder aus vergangenen Jahrhunderten treffen auf gegenwärtige Wahrnehmung.
In den Gemälden von Reiffers kehrt sich dieses Verhältnis um: Der Ort, an dem normalerweise Kunst betrachtet wird, wird selbst zum Gegenstand der Betrachtung.
Gemälde erscheinen innerhalb von Gemälden, Spiegel verdoppeln Räume, Türen öffnen weitere Bildräume und Besucher werden Teil der Komposition.
Die Serie untersucht das Verhältnis zwischen Raum, Erinnerung, Kunstwerk und Betrachter. Dabei entsteht eine Spannung zwischen Distanz und Präsenz.
Die Spaces sind deshalb keine Dokumentationen von Museumsräumen.
Sie sind Gemälde über das Sehen.
Flowers – zeitgenössische Blumenmalerei und Stillleben
Blumen gehören zu den traditionsreichsten Motiven der Malerei.
In den Arbeiten von Lars Reiffers sind sie jedoch nicht nur klassische Stillleben, sondern Ausgangspunkte für eine Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Farbe und Zeit.
Aus realen Arrangements und fotografischen Beobachtungen entstehen Gemälde, in denen Blüten, Blätter, Stiele, Glas und Spiegelungen zunehmend ihre Eindeutigkeit verlieren.
Konturen lösen sich auf, Blütenblätter werden zu Pinselspuren und dunkle Bereiche entwickeln sich zu eigenständigen Farbflächen.
Gerade die Blume eignet sich für diese Untersuchung, weil ihre Präsenz niemals stabil ist. Der Moment größter Schönheit ist vorübergehend. Sie kann besonders intensiv erscheinen, während ihre Veränderung bereits begonnen hat.
Die Blume wird damit zugleich Gegenstand und malerisches Ereignis.
Die Serie verbindet Schönheit, Präsenz und Zeit und führt die Tradition des Stilllebens in eine gegenwärtige Form der Malerei weiter.
Fish – Fischstillleben, Körper und Oberfläche
Fische gehören seit den Anfängen der künstlerischen Arbeit von Lars Reiffers zu seinen wiederkehrenden Motiven.
Aus dem Wasser herausgelöst werden sie zu Gegenständen konzentrierter Betrachtung.
Schuppen, Haut, Feuchtigkeit und reflektiertes Licht erzeugen Oberflächen, die zugleich körperlich und beinahe abstrakt erscheinen.
Je genauer der Blick wird, desto stärker verändert sich das Motiv. Eine Schuppe wird zu einem Farbfleck, eine Spiegelung zu einer eigenen Form, ein dunkler Bereich zu Fläche.
Der Fisch bleibt erkennbar und verliert zugleich seine Eindeutigkeit.
Die Serie verbindet die Tradition des Fischstilllebens mit grundlegenden malerischen Fragen nach Körper, Materialität, Licht und Oberfläche.
So wird der Körper zunehmend zur Oberfläche, die Oberfläche zu Farbe und Farbe schließlich zu Malerei.
Landscapes – Landschaftsmalerei, Licht und Atmosphäre
In den Landschaften von Lars Reiffers steht weniger die topografische Beschreibung eines bestimmten Ortes im Mittelpunkt als die Erfahrung von Licht, Entfernung und Atmosphäre.
Wasser und Spiegelungen spielen dabei eine besondere Rolle.
Ihre Oberflächen verändern sich durch Bewegung, Wetter und Licht. Eine Spiegelung ist sichtbar und besitzt dennoch keinen festen Körper. Tiefe und Oberfläche existieren gleichzeitig.
Ein Horizont, eine Wasserfläche oder ein Lichtreflex können räumliche Weite erzeugen und sich zugleich in Farbe und Fläche verwandeln.
Die Landschaft erscheint dadurch nicht als etwas Festes, sondern als vorübergehende Wahrnehmung.
Wetter verändert sie.
Licht verändert sie.
Bewegung verändert sie.
Die Gemälde versuchen deshalb nicht, Landschaft einfach festzuhalten. Sie untersuchen, wie Atmosphäre mit den Mitteln der Malerei entstehen kann.
Aktuelle Werke
Die aktuellen Arbeiten führen die Werkgruppen Spaces, Flowers, Fish und Landscapes parallel weiter.
Unterschiedliche Motive verbinden sich dabei durch gemeinsame Fragen nach Wahrnehmung, Licht, Oberfläche und Präsenz.
Eine jährlich aktualisierte Auswahl zeigt neue Gemälde und die aktuelle Entwicklung der Malerei.
Biografie
1978
Geboren in Engelskirchen, Deutschland
1998–1999
Studium Kunst / Arts Plastiques an der Université de Provence, Aix-en-Provence, Frankreich
ab 1999
Studium Freie Kunst an der Kunstakademie Münster bei Prof. Hermann-Josef Kuhna
2001
Europa-Stipendium der Kunstakademie Münster
2001
Lucas-Cranach-Preis, Sonderpreis
2002
Meisterschüler von Prof. Hermann-Josef Kuhna
2003
Akademiebrief Freie Kunst
seit 2005
freischaffender Künstler
heute
lebt und arbeitet in Nümbrecht bei Köln
Ausstellungen
Lars Reiffers zeigt seine Arbeiten in Museen, Kunstinstitutionen, Kunstvereinen und Galerien in Deutschland und international.
Zu den wichtigen Präsentationen der vergangenen Jahre gehört die umfangreiche Ausstellung Durch Zeit und Raum im Stadtmuseum Beckum 2024. Weitere Einzel- und Gruppenausstellungen fanden unter anderem in Düsseldorf, London, Duisburg, Seoul, Beijing und Montpellier statt.
Die Ausstellungen dokumentieren die Entwicklung der Malerei von den frühen Fish-Arbeiten bis zu den aktuellen Werkgruppen Spaces, Flowers und Landscapes.
→ Zur vollständigen Ausstellungsübersicht
Publikatione
Lars Reiffers – MALEREI / PAINTINGS 1999–2020
Verlag Kettler, Dortmund, 2020
Hardcover, 144 Seiten
Deutsch / Englisch
ISBN 978-3-86206-836-4
Die Monografie dokumentiert mehr als zwei Jahrzehnte malerischer Arbeit und gibt einen umfassenden Überblick über zentrale Werke und Werkgruppen.
Mit Texten von Anne Simone Kiesiel und Dr. Gabriele Hovestadt.
Weitere Texte und Publikationen
Zu den frühen kunsthistorischen Texten über die Arbeit von Lars Reiffers gehört Manfred Schneckenburgers Beitrag „Fische im Funkengestöber der Farbe“ aus dem Jahr 2003.
Weitere Kataloge, Ausstellungstexte, Pressebeiträge und Publikationen dokumentieren die Entwicklung der Arbeit seit Beginn der 2000er-Jahre.
Galerien, Kooperationen und externe Referenzen
Die Arbeiten von Lars Reiffers wurden von verschiedenen Galerien und Kunstplattformen präsentiert.
Ausgewählte Galerie-, Verlags- und Künstlerprofile bieten weitere Informationen zu Ausstellungen, Publikationen und Werken.
Externe Profile und Referenzen:
Kurzbiografie für Presse und Kataloge
Lars Reiffers, geboren 1978 in Engelskirchen, ist ein deutscher zeitgenössischer Maler und lebt und arbeitet in Nümbrecht bei Köln.
Er studierte in Aix-en-Provence und an der Kunstakademie Münster bei Prof. Hermann-Josef Kuhna, dessen Meisterschüler er 2002 wurde.
Seine Malerei entsteht vorwiegend in Öl auf Leinwand und entwickelt sich in den fortlaufenden Werkgruppen Spaces, Flowers, Fish und Landscapes.
Reiffers nutzt historische Gattungen wie Stillleben, Landschaft und Interieur als Ausgangspunkte für gegenwärtige Fragen nach Wahrnehmung, Licht, Oberfläche, Zeit und Präsenz.
Seine Arbeiten wurden in Museen, Kunstinstitutionen und Galerien in Deutschland und international gezeigt. 2024 präsentierte das Stadtmuseum Beckum mit Durch Zeit und Raum eine umfangreiche Ausstellung seiner Malerei.
Atelier
Lars Reiffers lebt und arbeitet in Nümbrecht bei Köln.
Sein Atelier befindet sich in einer ehemaligen Dorfschule, der heutigen Atelier Alte Schule.
Der Ort dient als Arbeitsraum, Archiv und Raum für die Begegnung mit aktuellen und früheren Werken.
Kontakt
Für Anfragen zu Ausstellungen, Kooperationen, Publikationen, verfügbaren Arbeiten und Atelierbesuchen: