MALEREI
Malerei, Wahrnehmung und Präsenz
Die Malerei steht im Zentrum der künstlerischen Arbeit von Lars Reiffers.
Vorwiegend mit Öl auf Leinwand arbeitend, bewegt er sich zwischen genauer Beobachtung und malerischer Konstruktion. Ausgangspunkt ist die sichtbare Welt: ein Museumsraum, eine Blume, ein Fisch, eine Landschaft oder eine Spiegelung auf dem Wasser.
Doch das Motiv ist niemals das eigentliche Ziel.
Während des Malens verändert sich das Ausgangsbild. Farbverhältnisse verschieben sich, Details verschwinden oder werden verstärkt, räumliche Tiefe verwandelt sich in Fläche und Oberflächen entwickeln eine eigene Präsenz.
Fotografie ist dabei häufig Teil des Arbeitsprozesses. Sie dient dazu, Situationen zu sammeln, Perspektiven auszuwählen und einzelne Momente festzuhalten. Das Gemälde versucht jedoch nicht, eine Fotografie möglichst exakt wiederzugeben.
Im langsamen Prozess der Ölmalerei beginnt sich das Bild von seiner Vorlage zu lösen.
Aus einem Gegenstand wird Farbe.
Aus Licht wird Oberfläche.
Aus räumlicher Tiefe wird malerische Struktur.
Das fertige Gemälde bleibt mit der sichtbaren Wirklichkeit verbunden und entwickelt zugleich eine eigene Realität.
Vier Werkgruppen – eine malerische Haltung
Die fortlaufenden Werkgruppen Spaces, Flowers, Fish und Landscapes scheinen zunächst sehr unterschiedliche Motive zu behandeln.
Tatsächlich verbindet sie jedoch eine gemeinsame Frage:
Wie kann Malerei etwas gegenwärtig werden lassen?
Ein Museumsraum trägt Erinnerung und Geschichte in sich.
Eine Blume befindet sich im Moment größter Schönheit bereits in Veränderung.
Ein Fisch wird aus nächster Nähe zu Körper, Oberfläche, Licht und Farbe.
Eine Landschaft verändert sich mit Wetter, Entfernung, Wasser und dem Blick des Betrachters.
In allen vier Werkgruppen geht es deshalb weniger darum, einen Gegenstand möglichst vollständig zu beschreiben.
Im Mittelpunkt steht vielmehr die Erfahrung des Sehens selbst.
Malerei wird zu einer Form verlangsamter Wahrnehmung.
Sehen ist niemals neutral
Wir nehmen die sichtbare Welt nicht einfach passiv auf.
Wir wählen aus.
Wir erkennen.
Wir erinnern.
Wir übersehen.
Jeder Blick entsteht aus einer bestimmten Entfernung, einem bestimmten Zeitpunkt und einer bestimmten Erfahrung.
Die Gemälde von Lars Reiffers greifen diese Unsicherheit der Wahrnehmung auf.
Vertraute Dinge bleiben erkennbar und beginnen sich zugleich zu verändern.
Spiegelungen unterbrechen Gegenstände.
Licht löst Oberflächen auf.
Farbe trennt sich von ihrer beschreibenden Funktion.
Nähe kann ein Motiv abstrakt erscheinen lassen.
So entsteht eine Spannung zwischen Wiedererkennen und Offenheit.
Tradition als Werkzeug, nicht als Stil
Stillleben, Landschaft und Interieur gehören zu den traditionsreichsten Gattungen der europäischen Malerei.
Lars Reiffers greift diese Traditionen nicht auf, um historische Bildsprachen zu wiederholen.
Er nutzt sie als Ausgangspunkte für gegenwärtige Fragen.
Was bedeutet es heute, einem Gegenstand über längere Zeit Aufmerksamkeit zu schenken?
Wie verändert ein Bild unsere Wahrnehmung eines Raumes?
Was geschieht, wenn ein vertrautes Motiv seine Selbstverständlichkeit verliert?
Und welche Bedeutung besitzt langsame, körperliche Malerei in einer Bilderwelt, die zunehmend von Geschwindigkeit, Fotografie, digitalen Medien und generierten Bildern geprägt ist?
Tradition wird damit nicht zum Stil.
Sie wird zum Werkzeug.
Spaces
Raum · Erinnerung · Resonanz
Seit 2016 malt Lars Reiffers Museen, Paläste und historische Innenräume.
Die Bilder untersuchen das Verhältnis zwischen Kunstwerk, Betrachter, Architektur und Erinnerung.
Museen sind Orte, die um den Akt des Betrachtens herum organisiert sind. Gemälde werden präsentiert, Besucher bewegen sich durch Räume, historische Bilder treffen auf gegenwärtige Wahrnehmung.
Indem Reiffers diese Orte malt, kehrt sich dieses Verhältnis um:
Der Raum, in dem normalerweise Kunst betrachtet wird, wird selbst zum Gegenstand der Betrachtung.
Flowers
Schönheit · Präsenz · Zeit
Blumen gehören seit Jahrhunderten zu den zentralen Motiven des Stilllebens.
In den Gemälden von Lars Reiffers werden Blüten, Blätter, Stiele, Glas und Spiegelungen zu Feldern aus Farbe, Licht und Oberfläche.
Die Blume befindet sich dabei in einem besonderen Zustand:
Sie kann gerade im Moment größter Schönheit erscheinen, während ihre Veränderung bereits begonnen hat.
Die Bilder verbinden deshalb unmittelbare sinnliche Präsenz mit Zeit und Vergänglichkeit.
Fish
Körper · Oberfläche · Licht
Fische gehören seit den Anfängen der künstlerischen Arbeit von Lars Reiffers zu seinen wiederkehrenden Motiven.
Aus dem Wasser und ihrem ursprünglichen Zusammenhang herausgelöst, werden sie zu Gegenständen konzentrierter Betrachtung.
Schuppen, Haut, Feuchtigkeit und reflektiertes Licht verwandeln den Körper zunehmend in Farbe und Struktur.
Je näher der Blick kommt, desto instabiler wird das Motiv.
Der Fisch bleibt erkennbar und wird gleichzeitig zu Malerei.
Landscapes
Licht · Atmosphäre · Wahrnehmung
In den Landschaften von Lars Reiffers steht weniger die Beschreibung eines bestimmten Ortes im Mittelpunkt als die Erfahrung von Licht, Entfernung und Atmosphäre.
Wasser und Spiegelungen spielen dabei eine besondere Rolle.
Eine Spiegelung ist sichtbar und besitzt doch keinen eigenen festen Körper. Wasser verändert sich ständig durch Bewegung und Licht.
Landschaft erscheint dadurch nicht als etwas Stabiles, sondern als vorübergehende Wahrnehmung.
Malerei in einer beschleunigten Bilderwelt
Wir begegnen heute mehr Bildern als jemals zuvor.
Fotografien, Videos und generierte Bilder erscheinen und verschwinden innerhalb von Sekunden.
Ölmalerei folgt einem anderen Verhältnis zur Zeit.
Ein Gemälde entsteht langsam.
Schichten lagern sich übereinander.
Entscheidungen werden verändert, übermalt oder bleiben sichtbar.
Malerei kann deshalb Aufmerksamkeit nicht erzwingen.
Aber sie kann einen Raum schaffen, in dem Wahrnehmung langsamer und offener wird.
Aktuelle Arbeiten
Eine Auswahl neuer Gemälde aus den fortlaufenden Werkgruppen Spaces, Flowers, Fish und Landscapes.
→ Aktuelle Malerei
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